Ein Gewinn für alle

Freiwilligenarbeit erschließt Teilhabechancen für behinderte Menschen

"Ehrenamt ist Ehrensache!", sagt die Lebenshilfe Syke. Sie betreibt erfolgreich eine Freiwilligenagentur. Damit konnte sie schon viele Leute gewinnen, die sich ehrenamtlich für Menschen mit geistiger Behinderung einsetzen. Immer mehr Lebenshilfen bauen diesen Bereich aus. Dabei gilt es, einiges zu beachten.

Wilfried Wagner-Stolp

"Mein Engagement kommt von innen. Wenn ich sehe, wie der Mensch lacht, dem ich Gesellschaft leiste, dann kommt eine Menge zurück." „Ich mache das, weil es mir Spaß macht. Ich sehe, dass sich etwas bewegt." „Ich persönlich profitiere davon als Mensch." So lauten Stimmen von Freiwilligen der Lebenshilfe Syke.

Einige von ihnen gehen regelmäßig in Wohnheime und spielen mit den behinderten Menschen Karten oder kochen mit ihnen. Andere haben Patenschaften für alleinstehende Menschen mit Behinderungen übernommen, besuchen sie regelmäßig oder unternehmen etwas mit ihnen.

Im Jahr 2006 hat die örtliche Vereinigung in Niedersachsen mit ihrer Freiwilligenarbeit begonnen. Von Anfang an wurde professionell vorgegangen. So gibt es eine feste Ansprechpartnerin, die so genannte Freiwilligenkoordinatorin. Es werden Weiterbildungsmöglichkeiten für die Freiwilligen angeboten und regelmäßige Treffen, um sich auszutauschen. Ein ansprechender Leitfaden liefert wertvolle Informationen für die ehrenamtlich engagierten Helfer/innen.

Auch andere Lebenshilfen gehen diesen Weg. Sie haben erkannt, dass Dienste und Einrichtungen auf freiwilliges, soziales Engagement angewiesen sind, wenn sie Teilhabechancen behinderter Menschen ernsthaft verwirklichen wollen.

„Damit wird den Leistungsträgern das Wort geredet. Denen ist doch gerade heute daran gelegen, bewährte Hilfestandards noch weiter abzusenken. Die Freiwilligen kommen da gerade recht." So oder ähnlich mag manche Leserin, mancher Leser denken. Dagegen ist zu sagen: Wenn das Kostensparmotiv die Motivation für die Entdeckung des Freiwilligenengagements sein sollte, wird die Einbeziehung nicht funktionieren.

Freiwillige sollen eine zusätzliche Qualität in die hauptamtlich geleistete Arbeit einbringen, das heißt, Teilhabemöglichkeiten und neue Kontakte für Menschen mit Behinderungen erschließen. Übrigens reagieren Freiwillige zu Recht sensibel, wenn sie spüren, dass sie hauptamtliche Arbeit ersetzen sollen.. Oder sie lassen sich erst gar nicht anwerben: Wer will schon gerne Lückenbüßer sein?

Das Verhältnis von Hauptamtlichen und Freiwilligen soll spannend, aber nicht gespannt sein. Eine gute Zusammenarbeit mit gegenseitiger Wertschätzung ist gefragt.

Freiwillige zu gewinnen - das gelingt nicht über Nacht. Dieser Schritt muss sorgfältig vorbereitet werden. Dazu befindet sich das noch recht neue Berufsbild Freiwilligenkoordination im Aufwind - eine Funktion in der örtlichen Lebenshilfe, die - zumindest in der Anfangsphase - am besten durch eine hauptamtliche Kraft erfüllt wird. Hinter dem Einsatz einer/eines Beauftragten für die Freiwilligenarbeit steckt nichts anderes als die Erkenntnis, dass sozial engagierte Menschen dann auf lange Sicht und für alle Beteiligten mit Gewinn einbezogen werden können.

Die Freiwilligenkoordinatoren und -koordinatorinnen sorgen dafür, die Aufgaben und Einsätze zu beschreiben und zu planen. Freiwillige müssen angesprochen und begleitet werden.

Nicht nur die Freiwilligen brauchen und erwarten Begleitung und Schulung. Auch die Koordinatorinnen und Koordinatoren der Freiwilligenarbeit selbst sind auf kompetente Einarbeitung in ihre neue Tätigkeit angewiesen.

Deshalb bietet die Lebenshilfe in der Bundesgeschäftsstelle seit drei Jahren Basiskurse für sie an. Was eher zögerlich begann, ist mittlerweile zu einem Renner geworden. Unter dem Titel „Freiwillige gibt's nicht umsonst" sind Freiwilligenbeauftragte und solche, die es werden wollen, eingeladen, sich für die Zusammenarbeit von Organisation und Bürgerschaft fit zu machen.

So entwickelt sich ein immer tragfähigeres Netzwerk Freiwilligenkoordination in der Lebenshilfe. Der Praxisaustausch zwischen den Kolleginnen und Kollegen ist gerade in der Aufbauphase äußerst wichtig: Gut zu wissen, dass nicht jede Checkliste oder der Personalbogen für die geworbenen Freiwilligen neu erfunden werden muss, sondern auf Wunsch als Muster kollegial bereitgestellt wird. Diese gegenseitige Unterstützung erfüllt den Anspruch: „Wenn Lebenshilfe wüsste, was Lebenshilfe weiß".

Zurzeit arbeiten elf Landesverbände und die Bundesvereinigung an einem gemeinsamen Werbeauftritt zur Freiwilligenarbeit - mit bundesweitem Wiedererkennungseffekt.

Quelle: Lebenshilfe-Zeitung März 2007

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