Entwicklungsland in Sachen Integration?

Behinderte Menschen sollen überall in Europa geichberechtigt sein: in der Schule, bei der Arbeit, in jedem Lebensbereich. Sie sollen vor dem Gesetz gleiche Chancen haben. Das forderten Minister aus 16 Staaten der Europäischen Union bei einer Konferenz.Sie waren von der deutschen Regierung nach Berlin eingeladen worden.

Hochkarätige EU-Konferenz in Berlin zur Integration behinderter Menschen

Behinderte Menschen sollen überall in Europa geichberechtigt sein: in der Schule, bei der Arbeit, in jedem Lebensbereich. Sie sollen vor dem Gesetz gleiche Chancen haben. Das forderten Minister aus 16 Staaten der Europäischen Union bei einer Konferenz.Sie waren von der deutschen Regierung nach Berlin eingeladen worden.

Bernhard Conrads

Veranstaltet wurde die europäische Konferenz zur Integration behinderter Menschen am 11. und 12. Juni 2007 vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales, und zwar im Rahmen der KU-Ratspräsidentschaft. Erstmals wurden Fragen behinderter Menschen auf dieser hochkarätig-europäischen Ebene beraten: 16 EU-Staaten und die EU-Kommission entsandten Minister oder Staatssekretäre, um über Integration in das allgemeine Bildungssystem, die Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt sowie Chancengleichheit und Barrierefreiheit zu beraten. Wenngleich oder weil ein solches Treffen wegen der 68 Millionen behinderter Menschen in Europa überfällig war, verdient diese Initiative der Bundesregierung große Anerkennung.Begrüßenswert ist, dass Portugal im Rahmen der folgenden EU-Ratspräsidentschaft den Dialog fortsetzen will. Bei der abschließenden Pressekonferenz betonte der parlamentarische Staatssekretär des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, Franz Thönnes, die deutsche Ratspräsidentschaft setze auf das Soziale: „Ökonomisches bedingt das Soziale - das Soziale braucht das Ökonomische".

Mehr Teilhabe

Der Bundesminister für Arbeit und Soziales, Franz Müntefering, begrüßte die über 300 Konferenzteilnehmer/innen. Er forderte, gemeinsam für mehr Teilhabe behinderter Menschen an allen Lebensfeldern zu arbeiten. Deutlich wurde, dass auf europäischer Ebene der Zug eindeutig in Richtung Teilhabe und Inklusion abfährt.

Das Signal dazu geht auch vom UN-Übereinkommen über die Rechte behinderter Menschen aus. Der Konvention habe es gut getan, dass „Experten in eigener Sache" mitgeredet hätten, so Müntefering. Er hob als gemeinsamen Erfolg der Organisationen behinderter Menschen und der Regierungen in Europa hervor, dass die besondere Situation behinderter Mädchen und Frauen in der Konvention sichtbar werde.

Mehrfach, so auch von der Bundes-behindertenbeauftragten Karin Evers-Meyer, wurde während der Konferenz (selbst-) kritisch angemerkt, Deutschland sei in Sachen integrativer und inklusiver Erziehung „Entwicklungsland".

Bedauerlich war, dass in dieser Konferenz zwar die Vereinigungen behinderter Menschen und entsprechende Ministerien vertreten waren, kaum aber die Partner, die im Rahmen der angestrebten Gemeinsamkeiten in der Bildung, bei der Arbeit und beim Abbau von Barrieren benötigt werden.

So wird sich der Erfolg der Konferenz auch daran messen lassen müssen, ob es gelingt, etwa Kultusverwaltungen, Lehrerverbände oder Arbeitgeber und ihre Vereinigung vom Recht behinderter Menschen auf allen Lebensfeldern zu überzeugen. Was für behinderte Menschen getan wird, kommt letztendlich der gesamten Gesellschaft zu Gute - diese Botschaft der Konferenz gilt es zu verbreiten, und zwar über die Behindertenszene hinaus.

Die Bundesvereinigung Lebenshilfe war durch ihre stellvertretende Vorsitzende Ingrid Körner in ihrer Eigenschaft als Präsidentin von Inclusion Eu-rope vertreten, und zwar als Referentin zum Thema „Gleichberechtigt in der Schule - Inklusion in das allgemeine Bildungssystem".

Der Autor (Bundesgeschäftsführer der Lebenshilfe) und Justitiar Klaus Lachwitz haben sich besonders bei der Diskussion der Themen „Förderung der Chancengleichheit - Barrieren beseitigen" und „Beschäftigung und Integration behinderter Menschen im allgemeinen Arbeitsmarkt" eingebracht.

Die Lebenshilfe setzt sich dafür ein, dass im Gesamtkontext der Behindertenpolitik speziell Menschen mit geistiger Behinderung beteiligt und ihre Anliegen nicht an den Rand gedrängt werden.

Integration in der Schule: Kinder mit und ohne Behinderung lernen gemeinsam, helfen sich gegenseitig und profitieren voneinander.



Integration

Foto: Bernd Euler

Quelle: Lebenshilfe-Zeitung September 2007

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