Mitgliedergewinnung
Es ist heute nicht selbstverständlich, dass Eltern geistig behinderter Kinder Mitglied in der Lebenshilfe werden. Warum das so ist, wollte ein Arbeitskreis der Lebenshilfe Baden-Württemberg mit Namen "Junge Lebenshilfe" - kurz JuLe - wissen.
Die Lebenshilfe braucht junge Eltern
Landesverband Baden-Württemberg entwickelt attraktives Werbematerial zur Mitgliedergewinnung
Es ist heute nicht selbstverständlich, dass Eltern geistig behinderter Kinder Mitglied in der Lebenshilfe werden. Warum das so ist, wollte ein Arbeitskreis der Lebenshilfe Baden-Württemberg mit Namen "Junge Lebenshilfe" - kurz JuLe - wissen. Der Arbeitskreis fand viele interessante Antworten und stellte daraufhin Goldene Regeln zur Mitgliedergewinnung auf. Das ansprechende Werbematerial können die Lebenshilfen bundesweit einsetzen.
In einem Leitfaden beschreibt die Lebenshilfe Baden-Württemberg zunächst die Ausgangssituation: Die Lebenshilfe ist - von der Gründung der Bundesvereinigung Lebenshilfe in Marburg 1958 ausgehend - als Selbsthilfeorganisation der Eltern geistig behinderter Kinder entstanden. Nach nun fast 50 Jahren hat sie, was sie von vielen anderen Vereinen nicht unterscheidet, ein Nachwuchsnroblem ... Reflexartig wird der nachfolgenden Elterngeneration von den heutigen Trägern der Lebenshilfe vorgeworfen, die jungen Eltern wollen sich gar nicht mehr engagieren, wie wollen sich nur ins „gemachte Nest" setzen und die Lebenshilfe als Dienstleister in Anspruch nehmen.
Bei näherem Hinsehen stellen wir aber fest, dass sich „junge Eltern" auch heute noch engagieren, wenn auch häufig nicht innerhalb der Lebenshilfe, sondern zum Beispiel in Fördervereinen, selbst organisierten Elterngesprächsrunden oder Initiativen zur Erreichung eines konkreten Ziels vor Ort (zum Beispiel Einrichtung einer Außenklasse) ... Die Lebenshilfe muss sich dringend damit befassen, wie sie von außen wahrgenommen wird (unabhängig davon, ob wir dieses Außenbild als „gerecht" empfinden oder nicht). Elemente der Außenwahrnehmung durch „junge Eltern" könnten sein:
* Die Lebenshilfe ist als Trägerin von Werkstätten und Wohnheimen gar nicht für behinderte Kinder und ihre Familien da, sondern nur für Erwachsene mit geistiger Behinderung.
* Die Lebenshilfe ist nicht ein Verein von Eltern, sondern eine Institution oder vielleicht sogar eine Art staatliche Wohltätigkeitsorganisation, an die man sich wendet, wenn man Hilfen beantragen will.
* In der Lebenshilfe bekommt man professionelle Hilfe und gute Ratschläge von Fachleuten, aber keinen „Trost" durch Gleichbetroffene.
* Die Lebenshilfe steht für traditionelle Hilfeangebote wie Sonderschulen, Werkstätten und Wohnheime. Wenn ich für mein Kind aber alternative Wege suche wie die integrative Beschulung oder eine „normale Arbeit", dann muss ich meine persönlichen Vorstellungen eher gegen die mächtige und etablierte Lebenshilfe durchsetzen. Keinesfalls erwarte ich von ihr, dass ich dort Unterstützung für meine Ideen erhalte.
* In der Lebenshilfe werde ich gar nicht gebraucht, denn dort ist ja schon alles geregelt und von Fachleuten professionell geleitet. Und so weiter!
Lebenshilfe darf keine „Mogelpackung" sein
Was können wir dagegen tun? ... Dabei geht es natürlich nicht nur um „geschickte Werbung", denn auch die beste Werbung ist auf Dauer nur dann erfolgreich, wenn das beworbene Produkt im Großen und Ganzen hält, was es verspricht (keine „Mogelpackung").
Zusammen mit dem Leitfaden hat die Lebenshilfe Baden-Württemberg ein Musterfaltblatt entwickelt, mit dem sich die Lebenshilfevereinigungen vor Ort gezielt an junge Eltern wenden können. Der Flyer kann individuell angepasst und um den örtlichen Kontakt samt Foto der Ansprechpartnerin oder des Ansprechpartners ergänzt werden. Eine Druckvorlage gibt es kostenfrei beim Landesverband.
Quelle: Lebenshilfe-Zeitung 4/2007
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