Zu: Der "Sonderschulweg" war goldrichtig

Eltern sollen Vorreiter der Inklusion sein

Es stößt mir immer wieder sauer auf, wenn ich lese, dass eine Integration oder Inklusion zum jetzigen Stand in Deutschland nicht möglich erscheint. Ein inklusives Schulsystem wäre innerhalb kür zester Zeit umsetzbar, mit der Option sich stetig weiterzuentwickeln natürlich.

Es geht doch beim täglichen Schulbesuch nicht ausschließlich um den vermittelten Stoff, sondern um ein soziales System innerhalb einer Gesellschaft — und solange nicht alle Kinder gleichberechtigt daran teilhaben können, finden sie auch keinen Platz zwischen allen anderen Kindern außerhalb der Schule. Sie sind und bleiben Außenseiter. Schulen für Behinderte, Sportgruppen für Behinderte, Kooperationen mit anderen Sonderschulen, Tanzcafes für Behinderte. Nichts deutet darauf hin, dass eine „Vermischung" erwünscht ist. Besser ist, oder sicherer ist, man bleibt unter sich.

Solange wir Eltern noch von Karrieren sprechen, die unsere Kinder nicht machen können und im Hinblick auf Inklusion immer noch lediglich thematisiert wird, dass die „normalen" Kinder nicht in ihrer optimalen Förderung gestört werden sollen, anstatt von dem sozialen Profit, den auch die Kinder mit Karriere im Blick erreichen können, ist eine Inklusion im eigentlichen Sinne tatsächlich nicht machbar und selbst mit der UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen nur verkrampft umsetzbar.

Der Leistungsgedanke ist dermaßen in unserer Wahrnehmung eines Menschen verankert, dass dies mit der Basis der inklusiven Gesellschaft nicht vereinbar ist. Das wird wieder sehr deutlich, wenn man liest, wie Frau Albrecht ihre Töchter miteinander vergleicht und ausdrückt, dass Corinna keine große Karriere im Rechnen gemacht hat. Bis wir nicht verinnerlicht haben, dass es genau darum nicht geht, wird es tatsächlich nichts mit der Integration und der Inklusion. Wir Eltern müssen als Vorreiter leisten, unsere Kinder nicht weiter als defizitäre Bündel zu betrachten, wie es uns gerne vermittelt wird.

Natalie Fröhlich-Primus, Hörstel

Quelle: Lebenshilfe-Zeitung September 2011



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